Geld – Die höchste Form der Wertschätzung? Oder warum bedingungsloses Nehmen schmerzt

25. Juli 2017
Ich mache bei einem Spendenspiel mit. Es gibt eine lange Liste mit Paypal-Links und keine Regeln. Spende den frei gewählten Betrag, an eine frei gewählte Person, so oft oder selten Du willst. Und beobachte Dich dabei. Was für Gedanken, Gefühle und Programmierungen tauchen auf. Wie gehst Du damit um?
Na klar bin ich dabei, Geld ist mein Thema.

Es ist immer zu wenig.
Also fange ich an zu spielen, freue mich darauf. Die erste Frage ist, wie suche ich mir jemanden aus? Ich suche und suche, überlege, wo zieht es mich hin. Irgendwann hab ich keine Lust mehr, es dauert mir zu lange und ich tippe blind auf jemanden. Sehr schön. Ich spende einen kleinen Betrag. Boah, macht das Spaß, das ist ein wunderschönes Gefühl. So schön, dass ich 2 Tage später noch mal möchte. So weit so gut.

Vor 2 Tagen kommt mir beim Spazieren gehen für den Bruchteil einer Sekunde der Gedanken, toll jetzt Du schon 2 Mal gespendet und noch nichts erhalten. Es war zum Glück wirklich nur sehr kurz, denn als nächstes kam dieses wohlige Gefühl, das Geben viel mehr Spaß macht, als nehmen. Und damit war der Gedanke auch wieder weg.

2 Stunden später sehe ich eine Nachricht, dass ich eine Spende über 50 EUR bekommen habe.
Ich habe schon öfter Geld geschenkt bekommen, aber diesmal war es komplett anders.

Als ich die Email sah passierte etwas, dass ich nicht mal ansatzweise ahnen konnte. Ich habe angefangen zu weinen, so heftig und es wollte nicht mehr aufhören. Ich kann nur versuchen es zu deuten, weil es letztendlich auch egal ist warum ich weinen musste. Ich habe es laufenlassen und durchgefühlt.

Da waren Tränen der Berührung.
Aber es kam auch ein tiefer Schmerz in mir hoch, der dringend gefühlt werden wollte. Ich durfte einen tiefen Blick nach Innen auf meine Programmierungen werfen: Ich bin so ein Geschenk nicht wert. Ich muss etwas dafür tun. Es kann ja nicht sein, dass ich einfach nur genug bin. Geld kommt ja nicht einfach nur so und so viel schon mal gar nicht.

Während ich so da lag und weinte, konnte ich den Wert des Geldes zum ersten mal wirklich fühlen. Es hat etwas damit zu tun, dass ich mich immer klein gemacht habe und es auch immer noch oft genug tue.
Wenn mir jemand Komplimente macht, egal ob es um Äußerlichleiten oder um innere Werte oder meine Blogtexte geht, dann konnte mein Ego das immer wieder relativieren und als belanglos oder sogar insgeheim als übertrieben darstellen. Denn es konnte ja nicht sein!

Als würde die mir entgegen gebrachte Wertschätzung nicht ganz zu mir durchdringen, sondern an einer Mauer vor meinem Herzen abprallen.

Aber dieses Geld war plötzlich greifbar für mich, es ist da. Ich konnte es nicht wegreden und auch nicht als Lüge darstellen. Ich muss nichts dafür tun. Und der Mensch, der es mir geschenkt hat, hat keinen Vorteil davon. Außer, das Spielen mit den eigenen Programmierungen.

Mein Ego hat komplett kapituliert und es hat sich etwas geöffnet in mir und ist weit geworden.

Es ist angekommen, dass ich es wert bin, ich darf einfach so annehmen. Einfach, weil ich bin.

Es durfte etwas in mir heilen und ich bin noch völlig durcheinander und berührt und dankbar und demütig.

Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar. Dankbar für die 50 EUR, das ist für mich (noch) viel Geld und ich freue mich riesig darüber.
Aber vor allem bin ich dankbar für das Berühren meiner Schmerzpunkte und die heilsamen Tränen, die ohne Bewertung fließen durften.

Ist Geld also eine höhere Form der Wertschätzung oder sogar die Höchste in unserer Gesellschaft? Oder empfinde nur ich es so? Oder war es in dem Moment nur Zufall, dass es das Geld war, was mich so berührt hat? Denn normalerweise, ist mir nicht-monetäre Wertschätzung viel wichtiger.
Ich bekomme zur Zeit viel Wertschätzung entgegen gebracht und ich denke, da hatte sich das Nicht-Annehmen-Können ganz schön aufgestaut. Und diese wunderbare Geldgeschenk, mit der wertvollen Intuition des Schenkenden, hat das Fass zum überlaufen gebracht.

Ich werde es weiter beobachten. Vor allem, ob es jetzt eine Veränderung in meiner Beziehung zu Geld gibt. Es bleibt spannend. Wie immer.😌

Bild könnte enthalten: Text

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.