Ein Plädoyer für die Gleichgültigkeit

Ist mir egal.
Seit einigen Tagen bin ich in der Egal-Phase. Die Sonne scheint… egal. Es schneit….egal. Ich muss hier bald ausziehen….egal. Ziehe ich da hin oder dorthin….egal. Will ich in Wien leben oder auf Hawaii…egal. Schmusemusik oder Heavy Metal….egal. Alles ist gleichwertig, gleich gut. Vielleicht ist einfach das Bewerten weg gefallen oder zumindest nicht mehr so präsent? Oder der Widerstand ist weg? Oder beides? Egal.

Egal und gleichgültig haben ja gemeinhin eher einen schlechten Ruf:
Wieso kannst Du Dich nicht entscheiden? Warum sollte ich, wenn das eine so gut wie das andere ist.
Dir ist ja alles gleichgültig! Ja, es hat beides den gleichen Wert für mich. Was könnte besser sein.

Warum verbinden wir egal mit Negativität?
Ich glaube, es ist so gut wie nie erwünscht, nicht zu bewerten. Wir haben es so gelernt und können nicht anders, als allem und jedem einen Wert geben, zu beurteilen, einzuteilen in gut oder schlecht. Was ist, wenn das wegfällt? Dann ist da nichts. Nichts zum Zerreden, Diskutieren, Erzählen, sich aufregen.
Das ist schwer auszuhalten.

Wenn es egal ist, ist es still. Und friedlich. Kein Bedürfnis über unwichtige Dingen zu reden, wie ich dieses oder jenes finde. Wie ich finde, was der oder die gemacht hat. Es ist einfach wie es ist.

Ich hab in letzter Zeit viel gefühlt, Widerstand aufgegeben und losgelassen. Jetzt ist es gerade egal. Egal ist genial.
Ich brauche nicht mal bewerten, ob es mir gut geht oder schlecht. Ich bin weder euphorisch glücklich, noch irgendwie betrübt. Ich bin einfach.

Ich werde noch empfänglicher für die Emotionen anderer. Kann fühlen, was sie fühlen. Es fließt durch mich durch, aber bleibt meistens nicht bei mir. Die Grundstimmung ist…egal. Es heißt also nicht, dass ich nichts fühle. Aber die Gefühle bleiben nicht.

Ist mir jetzt alles egal???
Ich hab mir gerade Möhren-Ingwersuppe gemacht und glaube, rückblickend meinen Verstand gehört zu haben, der beim Würzen mit Chilli vor sich hingemurmelt hat: „Wollen wir doch mal sehen, ob Dir das auch egal ist.“

Woohoo, nicht egal! Das war mega scharf! 🌶️
„Noch einen zweiten Teller?“ Fragt er mit teuflischem Grinsen

Nein, danke. Puhhh, doch nicht alles egal…..

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