Dualität oder Non-Dualität? Eine Entscheidung!?!

Am Wochenende war ich auf einem Reflexionsseminar. Am 2. Tag machten wir eine geführte Meditation.. Eine Art Trancereise, wie ich sie schon kenne und schon öfter gemacht habe. Ich gehe eine Wendeltreppe runter und gelange an einen wunderschönen Strand. Diesmal kamen aber die Worte auf der vorletzten Stufe: Langsam löst sich Dein Körper auf….. hä, was? Ich will doch den Sand unter meinen Füßen spüren und den Wind auf meiner Haut, wie sonst auch. Ich merke wie sich meine Beine schon langsam auflösen. Ich muss mich entscheiden. Es formuliert sich die Frage: Willst Du Dualität oder Non-Dualität. Ich entscheide mich für die Non-Dualität. Mein Körper verschwindet. Ich schwebe. Über dem Strand. Es wird weit, immer weiter. Ich werde weiter. Ich dehne mich aus. Ich bin überall. Ich bin weg. Der Strand ist weg. Da ist nichts mehr. Und da ist alles.

 
Irgendwann kommt die Stimme, die mich zurückholen will, zurück zu den Stufen, die ich wieder hinauf gehen soll. Ich will nicht. Ich will hier nicht weg. Ich bin so berührt.
Schon wieder muss ich mich entscheiden. Ich entscheide mich zurück zu gehen, zurück in die Dualität. Ich tröste mich damit, dass ich die Weite mitnehmen kann. Gut, auf geht’s, die Treppen nach oben.
Mich überkommt ein Trennungsschmerz. Die Trennung von der Einheit. Ich bin wieder aufgetaucht. Es tut weh.
 
Wir gehen raus, machen eine Wanderung im Regen. Mir ist schwindelig, ich befinde mich zwischen den Zuständen. Ich bin nicht geerdet. Ich suche die Nähe eines Menschen, der mich erden kann und bleibe bis auf den Gipfel des Berges in seiner Nähe. Das funktioniert, mit jedem Schritt komme ich näher auf die Erde. Im Vorbeigehen fasse ich Bäume und Pflanzen an, das hilft. Ich bin wieder geerdet, es geht mir gut, aber da ist noch dieser Trennungsschmerz. Ich bin verbunden mit den anderen Teilnehmern, es ist eine großartige Gruppe mit ganz offenen Menschen. Und dennoch bin ich getrennt. Von der Einheit.
 
Verbunden in Trennung. Getrennt in Verbundenheit.
 
Das Gefühl bleibt. Ich brauche viel Ruhe. Alles scheint sich neu zu sortieren, auch mein Körper. Beim Abschied gestern fühle ich die Verbundenheit mit den anderen viel stärker. Als ich zum Zug gehe beginne ich zu verstehen.
 
Dualität ist eine bewusste Entscheidung. Vor meiner Geburt habe ich mich ganz bewusst für die Dualität, das Erleben entschieden. Die Geburt war gleichzeitig mein Tod. Der Ausstieg aus der Einheit, aus der Non-Dualität. Deshalb habe ich nicht gelacht und Spaß gehabt bei der Geburt. Ich habe mich weg von der Einheit für das Erleben der Trennung entschieden. Leben beginnt mit Trennungsschmerz.
Seitdem suchte ich die Einheit, zuerst bei meiner Mutter, dann bei anderen, dem einen anderen. Und immer wieder stellte ich fest, dass es sie nicht gibt die Einheit, in der Dualität. Das schmerzte mich.
 
Seit ich kein Drama mehr habe, losgelassen habe und mir meine Geschichten egal sind fühle ich mehr Verbundenheit, mit mir, mit allem. Ich bin frei.
Warum habe ich diese Erfahrung in der Meditation machen dürfen? Ein kurzes Eintauchen in die Einheit.
 
Damit ich erkenne, dass ich im Moment nur hier bin um zu erleben. Es ist ein Spiel. Mein Leben ist ein Spiel, in dem ich meine Erfahrungen machen darf und gleichzeitig mich und meine Welt gestalte. Ich will hier nicht nur in dieser Einheit leben, dort war alles eins, kein gut, kein schlecht, kein Schmerz, kein Glück. Nur Weite. Großartig, keine Frage. Aber ich habe dieses All-Eins in mir. Es ist immer da. Vielleicht kann ich es irgendwann steuern und mich immer wieder bewusst entscheiden dort einzutauchen. Wenn nicht, ist es auch egal. Ich will das nicht als Dauerzustand. Das habe ich wieder in meinem anderen Leben, wenn ich sterbe und nach „Hause“ gehe, dann beginnt wieder der Zyklus, der Non-Dualität, der Einheit.
Die Geburt in das andere Leben, dass sich Tod nennt.
Bis meine Seele wieder Lust hat in der Dualität zu spielen. Was für ein genialer Kreislauf! Was für ein Fluss! Jetzt bin ich erfüllt von Dankbarkeit und Frieden. Tiefstem Frieden und ich bin volle Liebe und Verbundenheit. Alles ist gut. Nein, alles ist perfekt.
Denn ich kann die Sonne auf meiner Haut spüren und auch den Regen. Ich kann Berührung spüren und Nähe, genauso wie Schmerz, Trauer und Wut. Ich genieße die Musik und die Stille, die Bewegung und die Ruhe. Ich will das alles erleben, genießen, mich und meinen Körper spüren. Anstatt die Einheit, Weite, das All-Eins, Körperlose. Es ist gleichwertig, egal. Keines ist besser als das andere. Nur darf ich jedes zu seiner Zeit erfahren. Ich bin so dankbar für diese Erfahrung.
 
Vielleicht geht es hier darum uns so gut wie möglich auf das andere Leben vorzubereiten. Soviel Einheit wie möglich in der Dualität zu leben. So wenig wie möglich zu Bewerten. Im Jetzt und Hier sein und die Wunder im Fluss des Lebens zu genießen. Letztendlich entscheiden wir, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Und ohne Bewertung löst sich die Dualität eh langsam aber sicher auf.
 
Vielleicht gibt es ja auch in dem Leben was sich Tod nennt, Seelen, die sich erinnern können. Erinnern an die Dualität, an das Fühlen, an Freude und Schmerz. An Sonne auf der Haut und Sand unter den Füßen und sie erzählen den anderen Seelen davon. So dass diese sich dafür entscheiden geboren zu werden und zu erfahren….
Ich mag die Vorstellung. Sie berührt mich und zeigt mir wie großartig diese Welt, dieses Erleben ist und das wir uns ganz bewusst dazu entscheiden hier in diese Dualität hineingeboren zu werden.
 
Ich fühle mich reich beschenkt. <3

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