Bedingungslos und doch mit Bedingung

Bedingungslose Liebe soll es sein. Nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern in allen Beziehungen. Und am besten auch bei jedem Menschen. Jeden Menschen bedingungslos lieben. Ah, herrlich. So muss es im Paradies sein.
Ich bin immer wieder zutiefst berührt, wenn Menschen erzählen, dass es ihnen gelungen ist bedingungslos zu lieben. Das ist so schön .
Aber hält das auch an? Breitet sich das aus?

Auf Immer und Alle, auf Zeit und Raum? Und wenn ja, heißt dann bedingungslos Lieben, dass man diejenigen immer um sich haben will? Oder ist es eher ein bedingungsloses Akzeptieren, Annehmen? Letzteres kenne ich. Ich kann bedingungslos akzeptieren. Menschen, Situationen, Gefühle. Halt alles was gerade da ist.
Aber Lieben? Liebe ist für mich ein Zustand, die Essenz, die ich bin. Die jede/r von uns ist. Tief in mir drin ist diese Essenz, dieser Zustand, diese Liebe für mich, für Alle und Alles. Und darüber liegen die Möglichkeiten, für die ich mich entscheiden kann und die Gefühle, die mir den Weg weisen für die richtigen Entscheidungen. Zum Beispiel mit wem ich in Beziehung treten will, beruflich, privat, intim.
Wenn ich alle bedingungslos lieben würde, wäre es ja egal, wen ich wähle. Passt eh.

Ist es aber nicht. Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Liebe und Beziehungen.
Bedingungslose Liebe bin ich. Diese Essenz mit der ich immer in Kontakt bin, egal welche Gefühle sich gerade darüber gelegt haben.
In Beziehungen, fühle ich mich zu jemandem hingezogen. Ich gehe in Beziehung. Es zieht mich zu jemandem hin.
Ich kann auch jemanden akzeptieren und nehmen so wie er ist, will aber trotzdem keine Zeit mit ihm verbringen, weil ich ihn nicht mag. Ich trenne somit die Akzeptanz oder die Liebe zu jemandem von der Wahl mit ihm in Beziehung zu treten.
Ich liebe jemanden ohne ihn zu mögen.
Wenn es sich aber gut anfühlt und ich jemanden mag, dann gehe ich eine Beziehung ein.

Und da bin ich beim Thema. Wenn….dann. Bedingungen. Es gibt keine bedingungslosen Beziehungen. Eine Beziehung fängt ja meist schon mit einer Bedingung an: Wenn Du Lust und Zeit hast, dann können wir uns ja mal treffen….
Selbst, wenn die Bedingung ist, dass es keine Bedingungen gibt. Jede Beziehung hat eine Form und Formen sind immer Bedingungen. Wir können die Form so frei wie möglich gestalten, aber es bleibt eine Form mit Absprachen für alle Beteiligten. Und Absprachen sind nichts anderes als Bedingungen. Ich liebe Absprachen, ich bin da einfach pragmatisch. Ohne Absprachen gibt es Missverständnisse. Oft sogar Erwartungen und Enttäuschungen, weil die Absprachen nicht offen geäußert und abgestimmt wurden, sondern still mit sich ausgemacht wurden oder einfach fest in der Programmierung verankert sind. Z.B. wenn ich verheiratet bin, dann hat mein Partner mir dies oder jenes zu geben, mich zu versorgen oder mir Liebe zu geben. Oder wenn ich Dir etwas schenke, dann kann ich ja auch mal eine Gegenleistung erwarten. Lauter so bescheuertes Zeug über das nie geredet und abgestimmt wurde, es aber trotzdem erwartet wird.

Für mich gibt es viele Ebenen der Bedingungen, Absprachen oder Abstimmungen und die Übergänge sind fließend. In der Welt der Zahlen und der Ordnung braucht es sicher viele Bedingungen und in bewussten Beziehungen braucht es so wenig wie möglich. Aber ganz ohne geht es nicht, denn dann können wir nicht in Beziehung treten. Ich glaube Bedingungen haben auch so einen schlechten Ruf, weil wir meinen sie müssten für immer gelten. Das ist die eigentliche Einschränkung. Das macht eng und unfrei. Dabei dürfen sie sich ändern und ständig an die Bedürfnisse angepasst werden. Ach ja, Bedürfnisse haben genau so einen schlechten Ruf wie Bedingungen. Aber auch ohne Bedürfnisse geht es nicht. Sonst ist dieser Planet bald ausgestorben, wenn keiner mehr das Bedürfnis hat mit jemandem in Kontakt zu treten 😉.

Ich glaube, die Lösung ist ein vollkommen offener Umgang damit. Sowohl mit den Bedürfnissen, als auch mit den Bedingungen. Zum einen wird uns beim Aussprechen schon bewusst, wie bescheuert manch eigene Bedürfnisse und Bedingungen sind und das der andere ganz sicher nicht dafür da ist, diese zu erfüllen. Und zum anderen weiß es der andere und hat die Wahl das Bedürfnis oder die Bedingung zu erfüllen oder nicht. Ganz offen und ehrlich.
Ich finde Bedingungen in Beziehungen so was von in Ordnung, wenn offen darüber gesprochen wird und alle damit einverstanden sind, denn es schafft Klarheit. Und noch mehr als Absprachen, liebe ich Klarheit. Na ja, das eine bedingt ja auch das andere. Schon wieder eine Bedingung. Und sobald sich die Bedingungen einschränkend anfühlen, offen drüber reden und wieder anpassen.

Bedingungen sind einfach ein Rahmen. Ein Rahmen für Menschen, Beziehungen und Situationen, wenn wir sie nicht bewerten. Sogar das Wetter schafft Bedingungen. Sie können z.B. gut oder schlecht sein, je nachdem wie wir sie bewerten. Erst einmal sind sie einfach nur. Das Wetter ist wie es ist. Punkt. Trotzdem ist es ein Rahmen für etwas. Wenn z.B. Schnee liegt, sind die Wetterbedingungen fürs Skifahren gut und fürs Radfahren schlecht. Je nachdem was ich will und wie ich es bewerte. Wenn ich gerne Ski UND Rad fahre, bin ich flexibel und kann ich mich sogar nach den Wetterbedingungen richten.

Wenn ich also in einer Partnerschaft die Monogamie als Bedingung, als Rahmen habe und ich möchte aber auch mit anderen schlafen, dann ist diese Bedingung eher schlecht und ich sollte sie anpassen, wenn ich mich nicht verbiegen will und die Bedingung nur jemand anderem zu liebe einhalte. Wenn ich es aber toll finde, nur einen Partner zu haben, passt es.

Erlösen wir die Bedingungen von ihrem schlechten Ruf und leben sie offen und ehrlich zum Wohle Aller. Ich stehe zu Bedingungen.

Ich liebe es übrigens, ich liebe Dich zu sagen oder zu schreiben, denn nichts kann für mich die Tiefe dieses Gefühls des Mögens und den Zustand der Verbundenheit besser zum Ausdruck bringen. Obwohl es für mich nur meine Essenz ist. Aber wahrscheinlich widerspricht es sich gar nicht. Ich will etwas von meiner niemals versiegenden Quelle an jemanden geben.

Vielleicht passt auch der Satz: Die Liebe in mir, sieht die Liebe in Dir. So, wie Namaste heißt, der Gott in mir grüßt den Gott in Dir.

Oder: Die Liebe, die ich bin, verbindet sich mit der Liebe, die Du bist. Das gefällt mir gut.

Oder abgekürzt: Ich liebe Dich!

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